Aktualisierte «Politlandschaft» – Rückblick Sommersession 2020

In der Sommersession haben die eidgenössischen Räte einige Geschäfte behandelt, die Berührungspunkte mit dem Thema Betreuung im Alter aufweisen: Der Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative, die Integration eines Experimentierartikels ins KVG und die Ablehnung der Revision des Zivildienstgesetzes.

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«Wir brauchen einen Paradigmenwechsel»

Editorial von Herbert Bühl, Präsident Paul Schiller Stiftung und ehemaliger Gesundheitsdirektor Kanton Schaffhausen

Es war für mich unvorstellbar, was wir während der letzten Wochen erlebt haben. Ich hätte wohl jede Wette gewonnen, wenn ich vor einem halben Jahr gesagt hätte, die ganze Schweiz bleibe zu Hause.

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Editorial von Herbert Bühl, Präsident Paul Schiller Stiftung und ehemaliger Gesundheitsdirektor Kanton Schaffhausen

Es war für mich unvorstellbar, was wir während der letzten Wochen erlebt haben. Ich hätte wohl jede Wette gewonnen, wenn ich vor einem halben Jahr gesagt hätte, die ganze Schweiz bleibe zu Hause.

Eindrücklich ist, wie die Menschen die Massnahmen des Bundesrates umsetzen. Eindrücklich auch, wie viele kreativ Ideen für Herausforderungen suchen und finden. Und eindrücklich, wie sichtbar und erlebbar Isolation, Einsamkeit, Langeweile wird.

Sinnlosigkeit, Einsamkeit und Langeweile sind gemäss der sogenannten Eden-Philosophie die grössten Belastungen im Alter. Nicht die medizinischen Diagnosen, nicht das Langsamer-Werden – sondern das Alleinsein. Und Corona hat ganz besonders alte Menschen allein gemacht, noch mehr, als sie es sonst schon oft sind. Während die noch jungen Alten Skype und Zoom entdecken und nun Online-Einkäufe tätigen, waren die schon fragilen alten Menschen in den Heimen total isoliert. Ich werde nicht vergessen, wie ich letzte Woche nach sechs Wochen meine 95-jährige Mutter wiedersehen durfte. In einer windigen Scheune – weil ein Besuch drinnen nicht erlaubt war – an einem wackligen Holztisch, mit zweieinhalb Metern Abstand, unter Aufsicht des Heimleiters. Sie verstand mich nicht. Verstand auch nicht, warum ich so weit wegsass. Warum wir hier frieren müssen. Aber sie freute sich.

Die Erfahrungen sind eindrücklich. Und sie lassen uns klarer sehen. Die Wissenschaft hat uns den Weg gezeigt in dieser Krise. Das ist gut so. Jetzt muss die Politik genau so sauber die Lehren ziehen – die Lehren aus dem, was wir erlebt haben. Eine solche Ausnahmesituation führt uns vor Augen, was wichtig ist:

Lokale Versorgungsnetze, die auch funktionieren, wenn man nicht mehr reisen darf.

Eine Begleitung von fragilen Menschen, die neben der Wundversorgung und Tagespflege Zeit für Gespräche, für Fragen, für Zuwendung, für einen Videoanruf bei den Enkeln hat. Marianne Pfister, Geschäftsführerin der Spitex Schweiz hat das im Spitex-Magazin wunderbar formuliert: «Beispielsweise lässt die Krise die Gesellschaft vielleicht besser begreifen, dass ältere Menschen nicht nur Pflege brauchen – sondern dass auch ihrer Betreuung Zeit eingeräumt werden muss, dass sie also auch sozialen Kontakt und Zwischenmenschlichkeit brauchen.»

Und es braucht Heime in denen die langen Stunden zwischen der Morgenpflege und dem Ins-Bett-Gehen nicht nur dann sinnerfüllt sind, wenn die Verwandten zu Besuch kommen. Nichts ersetzt den Besuch der Tochter, des Sohns oder der Enkel. Der Tagesinhalt darf aber nicht aus Warten bestehen. Der Isolation, der Einsamkeit und der Langeweile kann mit genug Zeit, den richtigen Konzepten und den entsprechenden Fachpersonen aktiv begegnet werden. Betreuung muss als eigenständiger, fachlich fundierter, klar konzipierter Bestandteil des Heimalltags gelebt werden. Das klappt nicht von jetzt auf sofort und in unerwarteten, gefährdenden Situationen wie während der letzten Wochen.

Betreuung hat einen wahnsinnig hohen Wert. Das zeigt uns diese Krise: Betreuung als Zuwendung, als individuelle Begleitung und Bindung mit Menschen, Möglichkeit zum Gespräch, zum Verbundensein mit anderen, zum Mitmachen und Teil sein. Betreuung bietet Unterstützung, um zu verstehen und verarbeiten, was passiert – in der Welt und in meiner eigenen Aufarbeitung des Lebens. Oder fachlich ausgedrückt: Betreuung fokussiert auf das psychosoziale Wohlergehen und die Teilhabe in der Gesellschaft.

Mit noch mehr Nachdruck werden wir uns deshalb dafür einsetzen: Es braucht fachlich fundierte Betreuungskonzepte in Heimen, die mit genügend Ressourcen realisiert werden können. Es braucht gut aufgestellte, lokale Betreuungsangebote, die den Menschen ein eigenständiges, sinnerfülltes, in die Gesellschaft eingebettetes Leben im Alter ermöglichen, anstatt sie der Isolation, Einsamkeit und Langeweile zu überlassen. Es braucht einen Paradigmenwechsel: weg vom heute stark körperzentrierten, akutsomatischen Therapieren und Pflegen – hin zum würdevollen, gesunden, sozial eingebetteten Altwerden. Corona hat den Blick dafür geschärft.

«Wir können dazu beitragen, dass die Menschen, die in der Betreuung tätig sind, ihrem Beruf und ihrem Engagement treu bleiben»

Sehr geehrte Damen und Herren

Die Bewältigung der Corona-Pandemie erfordert aussergewöhnliche Leistungen: Sehr viele Menschen setzen sich für die Wahrung der psychosozialen Bedürfnisse älterer Menschen ein und helfen mit verschiedenen Unterstützungen, die Selbständigkeit zu erhalten und das Wohlbefinden zu stärken.

Die Krise zeigt auch die Anforderungen des Betreuung- und Pflegepersonals und dessen Bedürfnis nach besseren Rahmenbedingungen. Maximale Belastungen, der Zeitdruck und der Stress, die Fragmentierung und die Standardisierung der Arbeit – verbunden mit dem grossen administrativen Aufwand – erschweren die Arbeit sehr.

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Sehr geehrte Damen und Herren

Die Bewältigung der Corona-Pandemie erfordert aussergewöhnliche Leistungen: Sehr viele Menschen setzen sich für die Wahrung der psychosozialen Bedürfnisse älterer Menschen ein und helfen mit verschiedenen Unterstützungen, die Selbständigkeit zu erhalten und das Wohlbefinden zu stärken.

Die Krise zeigt auch die Anforderungen des Betreuung- und Pflegepersonals und dessen Bedürfnis nach besseren Rahmenbedingungen. Maximale Belastungen, der Zeitdruck und der Stress, die Fragmentierung und die Standardisierung der Arbeit – verbunden mit dem grossen administrativen Aufwand – erschweren die Arbeit sehr.

Wir können dazu beitragen, dass die Menschen, die in der Betreuung tätig sind, ihrem Beruf und ihrem Engagement treu bleiben.

Um die Attraktivität dieses Berufs zu erhalten, müssen die Rahmenbedingungen zwingend verbessert werden. Die aktive Beteiligung und Expertise der Mitarbeitenden ist für die Gestaltung der zukünftigen Entwicklungen in der Altersarbeit unentbehrlich – ob professionell oder freiwillig. Nur so können wir den heutigen und den zukünftigen Herausforderungen begegnen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die vielen wertvollen Engagements, die geleistet werden und hoffe, dass auch Sie jeden Tag Anerkennung und Unterstützung erfahren.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich alles Gute.

Maja Nagel Dettling, Stiftungsrätin Paul Schiller Stiftung

Betreuung war noch nie so wichtig wie jetzt

Sehr geehrte Damen und Herren

Eine Krise, wie wir sie mit der Corona-Pandemie erleben, lässt uns offener werden für die Bedürfnisse von anderen. Dazu gehören Menschen im Alter als besonders gefährdete Gruppe, die sich derzeit möglichst bei sich zu Hause aufhalten sollten.

Kontakte zu Verwandten, zu Freunden und Bekannten können nicht gepflegt werden. Es tauchen Bilder auf von einsamen, isolierten Menschen, die Angst haben, es könnte sie treffen.

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Sehr geehrte Damen und Herren

Eine Krise, wie wir sie mit der Corona-Pandemie erleben, lässt uns offener werden für die Bedürfnisse von anderen. Dazu gehören Menschen im Alter als besonders gefährdete Gruppe, die sich derzeit möglichst bei sich zu Hause aufhalten sollten.

Kontakte zu Verwandten, zu Freunden und Bekannten können nicht gepflegt werden. Es tauchen Bilder auf von einsamen, isolierten Menschen, die Angst haben, es könnte sie treffen.

Wir wissen nicht, wie lange die ausserordentlichen Massnahmen mit den verschiedenen Einschränkungen andauern werden. Dies verursacht Unsicherheit und macht die Forderung nach gesicherter Betreuung aktuell. Die heutige Situation lässt erkennen, wie eine gute Betreuung im Alter die Menschen stärkt, ihnen einen möglichst risikolosen Alltag ermöglicht und die Teilhabe an der Gesellschaft sichert.

Meine Gespräche in den letzten Tagen zeigen, welche Bedürfnisse nebst der Unterstützung beim Einkaufen besonders gefragt sind – es sind dies die Gespräche und der soziale Austausch.

Viele einzelne Initiativen leisten derzeit konkrete Unterstützung und stellen so eine gute Betreuung sicher.

Es entsteht vieles, zum Beispiel in der aufsuchenden Betreuung mittels Telefongesprächen zu Hause oder mit neuen kreativen Formen der Betreuung im Heim. Die Unterstützung durch die Angehörigen, Freiwilligen und Professionellen zeigt: Betreuung stärkt die Lebensqualität und das Wohlbefinden aller betroffenen Menschen. Die soziale Teilhabe und die Selbstbestimmung sind gerade in fragilen Situationen sehr wertvoll.

So belastend die aktuelle Situation ist, so zeigt sie auch eindrücklich: Es gibt viele Möglichkeiten, mit und für Menschen im Alter Betreuungsangebote zu entwickeln und zu gestalten.

Und diese Betreuungsangebote machen einen grossen Unterschied: Im Alltag der Menschen, in der gesundheitlichen, präventiven Versorgung und im Leben als Gesellschaft.

Wir beobachten dieses innovative Engagement mit grossem Interesse. Und möchten unsere Beobachtungen und unsere Gedanken in einer losen Newsletter-Serie in dieser Corona-Pandemie-Zeit zugänglich machen.

Haben Sie Hinweise auf weitere spannende Entwicklungen in der Praxis, zu notwendigen Systemanpassungen, zu fachlichen Diskussionen mit Bezug zu Betreuung? Lassen Sie es uns wissen: mail@gutaltern.ch.

Es ist mir ein Anliegen, Ihnen an dieser Stelle für Ihr Interesse und für das, was Sie tagtäglich zu guter Betreuung beitragen, zu danken. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und vor allem gute Gesundheit.

Maja Nagel Dettling, Stiftungsrätin Paul Schiller Stiftung

Corona: Angehörige schnell unterstützen

Welche Anliegen haben Sie als Angehörige im Zusammenhang mit dem Coronavirus? Pro Aidants sammelt Ihre Anliegen mit einem Fragebogen.

Nutzen Sie dafür den Fragebogen, den Pro Aidants aufgeschaltet hat. Pflegende und betreuende Angehörige sind systemrelevant. Auch ein offener Brief soll diese wichtige Gruppe sichtbar machen.

Zum Fragebogen

Ein neuer Begegnungsort in Zürich Witikon

In Zürich Witikon ist Anfang März der Begegnungsort HOCH3 mit Bistro, Café und Pavillon eröffnet worden. HOCH3 ist ein Pilotprojekt der reformierten Kirche Zürich Witikon, hervorgegangen aus dem Grundgedanken der Stiftung für Urbane Diakonie: «Gemeinsam füreinander im Quartier».

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In Zürich Witikon ist Anfang März der Begegnungsort HOCH3 mit Bistro, Café und Pavillon eröffnet worden. HOCH3 ist ein Pilotprojekt der reformierten Kirche Zürich Witikon, hervorgegangen aus dem Grundgedanken der Stiftung für Urbane Diakonie: «Gemeinsam füreinander im Quartier».

«Waren Sie schon drin, haben Sie den feinen Tee und den Kaffee probiert?», fragen die Verantwortlichen auf der Website. «Seien Sie herzlich willkommen! Sie werden bemerken, dass HOCH3 mehr sein wird als die neue Quartierbeiz.» Zum Beispiel eine Weiterbildungsstätte, in der eine Psychologin das Thema «Betreuende Angehörige» beleuchtet oder ein Marktplatz, auf dem es Produkte aus der Region und aus fairem Handel gibt.

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Gute Betreuung auch für armutsbetroffene ältere Menschen

Im Sozialrecht gibt es noch keine klaren Regelungen dafür, was unter guter Betreuung im Alter zu verstehen ist

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Im Sozialrecht gibt es noch keine klaren Regelungen dafür, was unter guter Betreuung im Alter zu verstehen ist

Vielmehr ist es heute üblich, dass Betagte die benötigte Betreuung entweder von ihrem sozialen Umfeld beziehen oder die entsprechenden Dienstleistungen über die sogenannte Seniorenwirtschaft einkaufen. Die soziale Ungleichheit im Alter werde dabei ausgeblendet, kritisiert Carlo Knöpfel, Autor der von der Paul Schiller Stiftung in Auftrag gegebenen Recherchestudie, in der neusten Ausgabe der Zeitschrift «Soziale Sicherheit».

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In eigener Sache

Mit dem ersten Newsletter «Gute Betreuung im Alter» ist es uns gelungen, den Dialog zum Thema weiter zu beleben. Die vielfältigen Rückmeldungen belegen, wie gross das Interesse am Thema «Betreuung im Alter» heute ist – nicht nur in Fachkreisen, sondern weit darüber hinaus in Gesellschaft und Politik.

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Mit dem ersten Newsletter «Gute Betreuung im Alter» ist es uns gelungen, den Dialog zum Thema weiter zu beleben. Die vielfältigen Rückmeldungen belegen, wie gross das Interesse am Thema «Betreuung im Alter» heute ist – nicht nur in Fachkreisen, sondern weit darüber hinaus in Gesellschaft und Politik.

Im Weiteren hat das von der Paul Schiller Stiftung initiierte Dialognetz seine Arbeit aufgenommen. Eine Aufbaugruppe sucht bis Ende Jahr nach innovativen Möglichkeiten, wie der Dialog über das Thema weiter unterstützt und breit gefördert werden kann. Wir werden Sie weiter informieren.

Und drittens haben wir die Website www.gutaltern.ch neu ausgerichtet. Damit finden Sie noch schneller und besser ins Thema «Gute Betreuung im Alter», sowohl in die aktuellen Entwicklungen wie auch in die zentralen Fragen nach Perspektiven.