Meist steht die Pflege im Fokus der gesundheits- und sozialpolitischen Diskussion. Die Auseinandersetzung zum Thema Betreuung im Alter steht hingegen erst am Anfang – und oft werden Pflege und Betreuung nur ungenau unterschieden. Eine Klärung ist wichtig und dringend, denn Familien und Freiwillige können die Betreuung allein nicht mehr sicherstellen: Wie sieht gute Betreuung aus? Wer ist dafür verantwortlich?

Länger leben mit abnehmenden Kräften

Die Bevölkerung wächst und wird zunehmend älter. Allein die Zahl der Menschen über 80 wird sich in den nächsten zwanzig Jahren verdoppeln. Die Gebrechlichkeit von Menschen im hohen Alter wird zu einer länger dauernden Phase der Betreuung führen. Das Gleichgewicht zwischen Jung und Alt verschiebt sich. Betagte Menschen benötigen Betreuungs- und Pflegelösungen, bei denen die zwischenmenschliche Beziehung und die Wertschätzung einen wichtigen Platz einnehmen.

Betreuung im Wandel

Die Individualisierung der Gesellschaft verstärkt den Wunsch nach Autonomie und Unabhängigkeit. Das Bedürfnis, möglichst lange im vertrauten Umfeld zu leben, wird durch die verlängerte Lebensphase im Alter noch stärker akzentuiert.

Familien brauchen Entlastung

Die Familien werden kleiner und Frauen sind zunehmend berufstätig. Familien wohnen häufig weiter entfernt von ihren Angehörigen. Der Bedarf an Entlastung bei der Betreuung von Angehörigen steigt. Das familiäre Umfeld und das zivilgesellschaftliche Netzwerk können die Betreuung allein nicht mehr sicherstellen. Damit werden soziale Netzwerke ausserhalb der Familie wichtiger.

Generationenaufgabe neu verstehen

Gute Betreuung wirkt präventiv und ist ein Mix von Leistungen verschiedenster Akteure. Sie ist Ausdruck einer gemeinsamen Alltagsgestaltung, welche die gesellschaftliche Teilhabe von älteren Menschen ermöglicht, die allein oder vom gesellschaftlichen Ausschluss bedroht sind. Barrierefreies Wohnen und ein gut ausgebautes Versorgungsnetz bilden den Rahmen dazu.

Der Staat ist gefordert

Ein Gesamtkonzept und Qualitätsvorstellungen zu guter Betreuung im Alter fehlen. Um eine Zweiklassengesellschaft zu vermeiden, ist eine gute Betreuung für alle rechtlich sicherzustellen. Die Gesellschaft wird in Zukunft einen Teil der notwendigen Betreuungsarbeit finanzieren müssen. Diese zusätzlichen Ausgaben sind als Investitionen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Angehörigenbetreuung zu betrachten und tragen dazu bei, dass Übertritte in stationäre Einrichtungen im Alter nicht zu früh erfolgen.

Zwei kurze Filmeinspielungen, die das Thema näherbringen:

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